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Atacamawüste

Ja, also der neueste Blogeintrag ist sehr geologielastig, da wir eine 15-tägige Feldgeologie Exkursion in der Atacamawüste hatten und einige meiner Kommilitonen sind sicher auch neugierig darauf =). Start war am 26. September im Campus der Uni um 18 Uhr.

Nun angekommen waren wir am nächsten Tag um 12 Uhr in unserem Camp nahe Vallenar/Chehueque. Nach dem Zelte aufbauen gab es um 16 Uhr eine kleine Einführung. Es wurde vereinbart, wie wir unsere Proben und Kartierpunkte benennen sollten etc.  Übrigens hatte jeder sein eigenes Zelt mit dabei, so konnte keiner den anderen anstinken. Toilette gab es keine, die Mädels und Jungs hatten für ihre Notdürfte jeweils einen eigenen Hügel zur Verfügung. Geduscht wurde im Freien, nachdem wir vom Kartieren zurück waren. Mittagessen bekamen wir immer mit (Avocado wahlweise mit Orange, Apfel oder Banana; dazu gab es entweder „Chorizos“ oder Thunfisch), das Abendessen hat immer Mauritio vorbereitet  und dieses hat immer köstlich geschmeckt.

 

Der erste Tag im Gelände war dann also der 28. Oktober. Es war, wie ich es mir vorgestellt hatte: heiß, etwas staubig, kaum Vegetation und überall Kakteen in allen Formen. Was die Kakteen betraf, so musste man höllisch aufpassen. 4 Studenten sind durch Stolpereien mit der Hand in einen Kaktus gelandet. Zum einen waren die Stacheln mit Widerborsten versehen und zum Anderen wohl auch ein wenig giftig. Ein Kommilitone hatte zwei Tage nach seinem Ungeschick so hübsche kleine grünliche Pusteln an den Handflächen, kaktusgrün um genau zu sein.

An diesem Tag hielten wir uns an einer Flussterrasse auf, mit „4 niveles“. Wir untersuchten teils die fluvialen Sedimente in einen etwa 1.5m tiefen angelegten und 10m langen Schurf.

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An den folgenden Punkten bzw. Aufschlüssen sahen wir unter anderem fluviale Kiese und Andesite. Am interessantesten war an diesem Tag jedoch der Subvulkanit (hypabissal rock, hellgelbe Färbung) im Andesit (rötliche Färbung) [--> Siehe Bild 2]. Die anliegenden Hügel bestanden im Wesentlichen aus Andesit, der noch nicht näher bestimmte Subvulkanit ist in den Andesit intrudiert.

 

 

 

Bild 1: Dieses kleine Kaktusmännchen hat mir in seiner knieenden Haltung so imponiert, dass ich es einfach fotografieren musste. 

 

 

 Bild 2

 

Meine Kartiergruppe war eine 6er Gruppe: Roy, Amapola, Roca, Cristian, Leo und ich. Es waren jeweils zwei für den Strukturkompass verantwortlich (Orientation im Gelände, Flächenmessung) zwei für die Petrologie (Gesteinsbestimmung), einer für die Karte und einer war Gehilfe für alle.

 

Am zweiten Tag im Gelände war der erste Punkt ein Brunnen. Innerhalb des Kartiergebietes hatten wir uns wohl alle Brunnen angeschaut, da Wasser in der trockensten Wüste der Erde natürlich nicht so oft vorkommt. Die pH – Werte des Wassers lagen allesamt zwischen 7,5 und 8,1; die Wassertemperatur lag in der Regel zwischen 17 und 22°C.

Am nächsten Aufschlusspunkt fanden wir Granodiorit und Mikrodiorit, wobei teilweise der Mikrodiorit als Klasten im Granodiorit vorkam. Am interessantesten war jedoch die Störungszone [Bild 3] (Abschiebung) am letzten Punkt gegenüber einem Kalksteinbruch [Bild 4], in welchem die gleiche Störung vermutlich ebenfalls auftritt. Wir nahmen Messwerte mit dem Kompass auf, zeichneten Skizzen der Störungszone und des gegenüberliegenden Kalksteinbruchs. Auf selbstangefertigte und möglichst saubere Skizzen scheint man hier sehr viel Wert zu legen. Auf dem Bild mit dem Kalksteinbruch erkennt ihr übrigens auch den Kontakt des angrenzenden Andesits. 

 

 

 Bild 3: Störung

 

 

 Bild 4: Kalksteinbruch gegenüber der Störungszone. Angrenzend: Andesit.

 

Am darauffolgenden Tag schritten wir ein Profil [Bild 5] ab: Richtung NNE-SSW. Das Profil erstreckte sich dabei über drei Hügel bis hin zu einem Kalksteinbruch. Dabei  fanden wir auf der Länge des Profiles die folgenden Gesteine: Kalkstein, (Mikro-)Diorit und Granodiorit. Ziel war es im Wesentlichen, dass man im Nachhinein auf einer Skizze die vorkommenden Gesteine sondieren konnte  etc. Dabei erfolgte von allen aufgefundenen Gesteinen eine Probenahme, diese werden noch hinsichtlich ihrer mineralogischen Zusammensetzung mikroskopiert.

Bild 5: in Blickrichtung des abgelaufenen Profils. 

 

 

Im Anschluss  wurden unter anderem die folgenden verfalteten Kalksteinschichten [Foto 6] näher begutachtet. Aufgrund der Lineamente (siehe Foto 7) wird angenommen, dass ein Versatz der vorher (!!) verfalteten Kalksteinschichten in Richtung des aufgeschütteten Schuttes stattgefunden hat.

 

 

Bild 6

 

 

BIld 7: Erkennbare Lineamente (Lineare).

 

Am  nächsten Tag drehte es sich noch mehr um verfaltete Kalksteinformationen. Das folgende Bild zeigt ebenfalls verfaltete Kalksteinschichten.  Das rote  Rechteckt markiert die ungefähre Stelle, an der wir ebenfalls verfaltete Kalksteinschichten vorfanden. An der geschlossenen Falte auf Bild 8 und an den verschiedenartigen Falten auf Bild 10 [ich habe es verdeutlicht] ist erkennbar, dass es mind. zwei Phasen der Kompression gegeben hat. Man muss es sich folgendermaßen vorstellen: zuerst faltet man ein Blatt Papier in der gleichen Richtung mehrmals (siehe Bild 9), im Anschluss faltet man es in der orthogonal dazu (Bild 8 und 10).

 

Foto 8: Faltung. Das rote Rechteckt markiert die Region der Fotos 9 und 10.

 Foto 9

 

 

Foto 10 mit Verdeutlichung

 

Einige Kommilitonen fanden hier auch ganz nette Ammoniten und Mollusken. An dieser Stelle habe ich auch zum ersten Mal eine Pillowlava gesehen.  Auf dem nächsten Bild seht ihr meine Gruppe.


 Foto 11: Das war meine Gruppe --> Amapola, Roy, kennt ihr nicht, Roca, Leo und Cristian.

 


 Foto 12: Konzentrisch schalige Andesitische Pillowlava.

 

Auch der nächste Tag war sehr spannend. Im Südosten des Kartiergebietes suchten wir eine Störungszone auf der Höhe eines ehemaligen Wasserfalles zwischen zwei Hügeln auf. Bei dem hier vorliegenden Gesteine handelte es sich um ein metamorphes, NOCH nicht näher bestimmtes Konglomerat. Auf dem Weg zur obigen Störungszone waren die folgenden Gesteine anzutreffen: 1)das bereits erwähnte Konglomerat, 2) Mikrodiorit und 3) Granodiorit. Direkt unterhalb der Störungszone fanden wir Granodiorit und auch Tonalit vor.

Der Granodiorit enthielt dabei mitunter recht große Klasten des Mikrodiorits und es wird angenommen, dass dieser in den Mikrodiorit intrudierte.

 Foto 13: Granodiorit, mit Klasten von Mikrodiorit

 

An dieser Stelle wurden auch Gneise mit Lineation und Foliation (orthogonal zur Lineation) aufgefunden. Einige der Mikrodiorite wiesen zudem ebenfalls Foliationen auf. Zudem gab es reichlich Epidot: in derber Form, als Kristallgarben trat er zumeist in Form von Adern oder eben als Kluftmineral auf bei Kristalllängen von bis zu mehreren Zentimetern.

Wir wanderten den Weg auf der anderen Seite der Störung wieder zurück und folgten dem Lauf des ehemaligen Flusses. Dabei kartierten wir einen ca. 100 m langen Aufschluss mit wechselnden Abfolgen von Lutit (mudstone) und Kalkstein aus. Paulo fand im Bachbett einen riesigen Ammoniten, den er mir zum Abschluss schenkte (Grácias, Paulo!!!).

 

Am darauffolgenden Tag fand die Kartierung nur an einen einzelnem Punkt statt. Es erfolgte die bloße Aufnahme einer Kolumne von oben nach unten im Kalkstein bzw. Lutit: Änderungen von Gesteinsmerkmalen, evt. Änderungen der Fossilisation etc.

 Foto 14: an dieser Stelle erfolgte die Aufnahme der Kolumne

Der darauffolgende Morgen: Analyse eines angelegten Schurfes; die Probenahme von Daziten, Andesiten und Kalksteinen. Zudem erfolgte die Messung von festgestellten Störungslinearen im Andesit.

 

Am nächsten Tag hielten wir uns nach dem Besuch eines Brunnens u.a. im Gebiet einer Mine auf.  Zunächst wurde die tektonische Situation analysiert (Abschiebung als Hauptstörung, kombiniert mit mehreren Seitenverschiebungen), im Anschluss wurde das Hauptaugenmerk auf die vorkommenden Minerale gerichtet. Es folgten zwei Wegpunkte, an denen wir wie am ersten Tag im Gelände Subvulkanite inmitten der Andesite vorfanden. Zudem begutachteten wir ein für die Mineralsuche  angelegtes Schurfprofil und besuchten zum Abschluss eine weitere Mine (ehemaliger Tagebau), die folgenden Minerale wurden festgestellt: Goethit mit Hämatit, Spekularit, Limonit, Chalkopyrit, Atacamit (unter der Lupe bildet er sehr schöne radiale, längliche Kristalle) und Calcit.

 

Der vorletzte Tag begann mit dem Besuch einer alten Mine, die aufgefundenen Minerale: Chrysokoll, Calcit, Atacamit, Bornit und Baryt. Das Wirtsgestein ist dabei der Andesit.


Am nächsten Punkt lag Andesit vor. An einem Aufschluss am oberen Rande eines Hügels fanden sich zudem  (vermutlich ) hydrothermale Calcit-Andesit-Brekzien. Ein Kontakt zum Kalkstein fand sich jedoch nicht. Das Schönste an diesem Tag war jedoch der letzte Punkt: hier fanden sich zahlreiche Ammoniten und ich war eher mit sammeln als denn mit der Geologie beschäftigt. Meine Kollegen witzelten nachher, dass es da jetzt wohl keine Ammoniten mehr gibt.

 

Foto 15: Der schönste Ammonit. Leider ließ er sich kaum abtrennen. Mir sind dabei Hammersplitter um die Ohren geflogen.

 

Am letzten Tag nahmen wir erneut eine Kolumne auf. Es war ähnlich der Arbeiten wie bei dem Sedimentologie Praktikum in Ottendorf Okrilla. Am darauffolgenden Tag wurden die Proben genauer geordnet bzw. analysiert. Am 10. Oktober waren wir dann zurück in Concepción.

 

Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich in den Tagen dort sehr viel gelernt habe. Auch die Mikroskopie der Schliffe der genommenen Proben wird noch – zusammen mit den anderen nötigen Arbeiten für den Bericht – einiges zu Tage fördern was Erkenntnisse betrifft. Am wichtigsten war aber, dass wir zusammen sehr viel Spaß hatten: es gab abends ein wenig Bier, wir unterhielten uns gut etc. Die Jungs waren außerdem ganz wild darauf, mir die Haare an den Seiten zu kürzen und noch mehr Freude hat es ihnen gemacht, es mit meinem deutschen Apparat zu machen ("Aaah es de buena calidad, porque es de Alemania"!).  Zudem waren die Farbenkontraste bei Sonnenauf- und –untergang sehr schön anzuschauen. Es war eine sehr angenehme Erfahrung, auch wenn es natürlich aufgrund des Klimas sehr anstrengend war. Der nächste Eintrag wird nicht so geologielastig sein.

 

 Foto 16: Ja, es waren schon sehr lustige Abende.

 

  Foto 17: Die Farbkontraste der Atacamwüste waren vor allem bei Sonnenauf- und untergängen sehr schön.

 

 

 Foto 18: Es fallen schon doch mal Niederschläge: la Camanchaca.

 

 

 

11.10.14 14:59


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Valdivia.


Also, der 18. und 19. September sind hier in Chile Feiertage. Der 18. ist dabei der Tag der Unabhängigkeit Chiles.

Am Montag entschied ich mich spontan, für die Feiertag nach Valdivia zu reisen. Valdivia ist zum einen wichtigste Universitätsstadt in Südchile und außerdem aufgrund seiner Nähe zum "Tripelpunkt" buchstäblich doppelt bewegt. Die Provinz Valdivia war bei dem "Große-Chile Beben" 1960 besonders stark betroffen.

Nun aufgrund des Nationalfeiertages traf ich in der Stadt kaum Studenten an, eher ausschließlich Touristen. Am Anfang dachte ich schon, hier wäre alles tot: kaum Verkehr, nur wenige Leute getroffen, fast alle Geschäfte geschlossen etc. 

 

Heute war ich übrigens - nach einem kurzen Spaziergang an der Promenade inklusive der Beobachtung von Seelöwen auf einer errichteten Plattform - in der Cervecería (Brauerei) Kunstmann (eine deutsch-chilenische Familie).

 

Ja, das sind die Seelöwen. Denkt aber nicht, dass sie immer so friedlich nebeneinanderlagen. 

 

 

 

Eingang der Brauerei Kunstmann. Bei der Unterschrift "Das gute Bier" denke ich sofort an Deutschland. 

 


 

Hier wird seit 1960 Bier gebraut, da nach dem Großen Chile-Beben (1960) die 1851 gegründete Anwandter Brauerei zerstört worden ist (Wikipedia). Jedenfalls werden in der Brauerei stündlich ca. 6000 Flaschen abgefüllt. Nach einer 45-minütigen Führung gab es ein super Mittagessen in der Cerveciería (Chuleta de Cerdo) mit einer Kostprobe aller in der Brauerei produzierten Sorten: Lager (auch unfiltriert), Torobayo (filtriert und unfiltriert), unfultriertes Trigo (also Weissbier), Mier (Honigbier, schmeckt sehr interessant), Bock, Doppelbock (7,5%), Gran Torobayo und Arándano.

 

Ja, hier hab ich alles mal durchprobiert. 

 

 

Oh ja, das hat echt super geschmeckt! 

 

Die Führung war sehr lehrreich und ich stelle immer wieder fest, dass man als Deutscher in Chile wohl sehr geschätzt wird.

Also nach der Führung und Bierverkostung braucht ich jedenfalls erstmal eine Stunde Pause =D. Tja, und morgen geht es auch schon wieder zurück nach Concepción.

 

Ich habe in letzter Zeit einige Videos gesehen über "normale Menschen" und Obdachlose. Sie behandeln unter anderem auch die scheinbare Tatsache, dass Menschen mit weniger Besitz eher zum Teilen bereit sein zu scheinen. Eine kleine Geschichte: heute früh traf ich an der Promenade eine Gruppe lumpig bekleideter Männer. Sie tranken im kleinen Kreise ein Bier und luden mich ein, doch einen kleinen Schluck mitzutrinken. Ein wenig erstaunt nahm ich die Einladung an, ich war halt einfach neugierig. Sie erzählten mir etwas über Valdivia und auch einen Teil ihrer Geschichte, die lasse ich hier an dieser Stelle mal weg (teilweise hab ich sie auch schlecht verstanden). Jedenfalls traf ich heute einen dieser Männer nach dem Abendbrot auf der Straße wieder. Er sagte mir, er sei auf der Suche nach einem Schlafplatz und würde auf der Straße leben. Dann unterhielten wir uns schließlich über verschiedene Themen. Jedenfalls merkte ich, dass es ein angenehmer und wohlwollender Typ war. So gab ich ihm ein wenig Geld, es hätte gereicht um eine Kleinigkeit zu essen etc. Ihr hättet diesen Mann mal strahlen sehen sollen! 

Was ich sagen will: Scheinbarkeiten und Vorurteile blenden leider zu oft unsere Sicht, wir müssen stärker unsere Augen öffnen.  Es lohnt sich darüber nachzudenken, wer sich unsere Verachtung wirklich verdient hat. Vielleicht ist es niemand? Es ist so, wie  mein Cousin Matthias mal gesagt hat: jeder hat sich einen gewissen Respekt verdient =). 

 

Ganz viele Grüße =)

 

Sooo für alle Dortmundfans nochmal:

 

 

der Paule

 

 



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20.9.14 03:47


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